Kai Ole Hartwig
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Niedrig

TYPO3 auf Kubernetes unter IT-Grundschutz, Teil 1: Welche Bausteine wirklich greifen

Einen einzelnen TYPO3-Container auf Kubernetes zu betreiben, ist technisch gelöst. Ein echtes TYPO3-Cluster mit mehreren Replikas ist es nicht: kein gemeinsames Dateisystem, dazu Sessions, Caches und Locks, die einen wegfallenden Pod überleben müssen. Noch schwieriger wird es, wenn der Betrieb den IT-Grundschutz des BSI erfüllen muss, und zwar mit hohem Schutzbedarf. Dann reicht ein funktionierendes Cluster nicht mehr. Jede Entscheidung braucht eine Anforderung, an der sie sich messen lässt.

Diese Serie zeigt Schritt für Schritt, wie das funktioniert. Vom gehärteten Image über mTLS und Secrets bis zur Hochverfügbarkeit und zur Härtung von TYPO3 selbst. Die Beispiele stammen aus der Praxis. Die Umsetzung passt auf jedes Kubernetes, nicht nur auf einen bestimmten Anbieter.

Dieser Beitrag eröffnet die Serie „TYPO3 auf Kubernetes unter IT-Grundschutz“. Die Übersicht aller vierzehn Teile steht weiter unten.

01 — Schutzbedarf zuerst, Technik danach

Der IT-Grundschutz beginnt nicht beim Cluster, sondern bei den Informationen. Für jede Anwendung wird der Schutzbedarf in drei Grundwerten festgestellt: Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Die Kategorien lauten normal, hoch und sehr hoch.

Bei einer TYPO3-Plattform sieht das oft so aus:

ObjektVertraulichkeitIntegritätVerfügbarkeit
TYPO3-Website mit Formularenhochhochnormal bis hoch
Datenbank der Websitehochhochhoch
CI/CD und Container-Registryhochsehr hochnormal
Kubernetes-Clustererbt das Maximum der Anwendungen

Das Maximumprinzip prägt das Cluster

Ein Cluster trägt mehrere Anwendungen. Nach dem Maximumprinzip übernimmt es den höchsten Schutzbedarf aller Anwendungen, die darauf laufen. Eine einzige Website mit hohem Schutzbedarf hebt damit die gesamte Plattform an. Das ist der Grund, warum Mandantentrennung in dieser Serie so viel Raum bekommt.

Umgekehrt gibt es den Verteilungseffekt. Wird eine Anwendung auf mehrere unabhängige Knoten verteilt, kann der Verfügbarkeitsbedarf des einzelnen Knotens sinken. Das gilt aber nur, wenn die Verteilung wirklich unabhängig ist.

Ein typischer Stolperstein

In der Praxis wird Verfügbarkeit oft reflexhaft auf hoch gesetzt. Das ist teuer. Hohe Verfügbarkeit zieht Hochverfügbarkeit für Control Plane, Knoten und Datenbank nach sich. Kläre deshalb früh, wie lange ein Ausfall wirklich tragbar ist. Vertraulichkeit und Integrität sind bei einem CMS mit personenbezogenen Daten dagegen fast immer hoch.

02 — Modellierung: welche Bausteine für TYPO3 auf Kubernetes

Die Modellierung ordnet jedem Objekt die passenden Bausteine aus dem IT-Grundschutz-Kompendium zu. Diese Serie bezieht sich auf die Edition 2023. Für TYPO3 auf Kubernetes ergibt sich ein recht stabiler Kern:

SchichtBausteinWas er abdeckt
ContainerSYS.1.6 ContainerisierungImages, Laufzeitrechte, Ressourcen, Konfiguration
OrchestrierungAPP.4.4 KubernetesSeparierung, Automatisierung, Netze, Service-Accounts
AnwendungAPP.3.1 Webanwendungen und WebservicesTYPO3 selbst: Backend-Zugang, Eingaben, Sitzungen
WebserverAPP.3.2 WebserverFrankenPHP oder der vorgeschaltete Proxy
DatenbankAPP.4.3 Relationale DatenbankenMariaDB oder MySQL der Website
KonzepteCON.1 Kryptokonzept, CON.3 DatensicherungskonzeptTLS und mTLS, Backup und Restore
BetriebOPS.1.1.3 Patch- und Änderungsmanagement, OPS.1.1.5 ProtokollierungUpdates, Deployments, Logs
DetektionDER.1 Detektion von sicherheitsrelevanten EreignissenAlarme, Laufzeit-Erkennung
NetzNET.1.1 Netzarchitektur und -designZonen, Segmentierung, Zugriffswege

Dazu kommen die prozessorientierten Bausteine wie ISMS.1 und die ORP-Schicht. Sie gelten für die gesamte Organisation und sind nicht Thema dieser Serie.

Mit Grundschutz++ stellt das BSI den IT-Grundschutz gerade neu auf, mit einem maschinenlesbaren Katalog statt Bausteinen. Wie sich ein ISMS schon jetzt dagegen prüfen lässt, zeigt die Serie Grundschutz++ als Code.

SYS.1.6 und APP.4.4 gehören zusammen

Ein häufiger Fehler ist, nur einen der beiden zu modellieren. SYS.1.6 behandelt den einzelnen Container. Orchestrierung, virtuelle Netze und Registries schließt er ausdrücklich aus und verweist dafür auf APP.4.4. Wer Kubernetes betreibt, braucht also beide Bausteine.

TYPO3 ist nicht nur ein Container

APP.3.1 wird gern übersehen, weil der Fokus auf der Plattform liegt. Doch Backend-Zugang, Mehr-Faktor-Anmeldung, Extensions und Sicherheitsupdates von TYPO3 sind Anwendungsthemen. Ein perfekt gehärtetes Cluster hilft wenig, wenn das Backend offen im Netz steht. Wie TYPO3 selbst gehärtet wird, zeigt Teil 13. Mehr zu den typischen Fehlannahmen steht in Fünf Irrtümer über TYPO3 auf Kubernetes.

03 — Was hoher Schutzbedarf zusätzlich verlangt

Jeder Baustein unterscheidet drei Stufen: Basis (B), Standard (S) und Anforderungen bei erhöhtem Schutzbedarf (H). Basis und Standard bilden die Standard-Absicherung. Die H-Anforderungen kommen in Betracht, sobald ein Grundwert hoch oder sehr hoch ist.

Die H-Anforderungen für Kubernetes und Container

Die Liste enthält nicht alle H-Anforderungen der Bausteine, aber die, die für den Betrieb am meisten verändern.

Vorschläge, keine Pflichtliste

H-Anforderungen sind Vorschläge. Welche davon umgesetzt werden, entscheidet eine Risikoanalyse nach BSI-Standard 200-3. Sie betrachtet die Objekte mit hohem oder sehr hohem Schutzbedarf gezielt. Was nicht umgesetzt wird, braucht eine Begründung und ein bewusst getragenes Restrisiko.

Der Grundschutz-Check als Nachweis

Im Grundschutz-Check wird für jede Anforderung festgehalten, ob sie umgesetzt ist: ja, teilweise, nein oder entbehrlich. Erst dieser Check macht aus einer guten Plattform eine nachweisbar sichere. In der Praxis lohnt es sich, ihn nicht am Ende zu schreiben, sondern mit jedem Umbau fortzuführen. Die folgenden Teile nennen deshalb bei jeder Maßnahme die Anforderung, die sie erfüllt.

04 — Die Serie im Überblick

Die Serie folgt dem Weg einer Anfrage und eines Releases durch die Plattform. Jeder Teil steht für sich und verweist auf die Anforderungen, die er abdeckt.

  1. Welche Bausteine wirklich greifen: Schutzbedarf, Modellierung, hoher Schutzbedarf. Dieser Beitrag.
  2. Das gehärtete TYPO3-Image: minimale Basis, FrankenPHP, Laufzeitrechte.
  3. Code als signiertes Artefakt: OCI-Artefakt, Signatur, Prüfung vor dem Start.
  4. Keine CVEs über 7: ein Scan-Gate, das wirklich blockiert.
  5. mTLS auf jeder Strecke: eigene CA pro Mandant, kurzlebige Zertifikate.
  6. Netz und Mandantentrennung: NetworkPolicies und Admission-Regeln.
  7. Secrets ohne Git: External Secrets und Workload Identity.
  8. TYPO3 zustandslos machen: Sessions, fileadmin, Caches und Locks.
  9. Autoscaling und Probes: HPA, PodDisruptionBudget, Rolling Updates.
  10. Datenbank, Backup und Restore: MariaDB im Cluster oder als Dienst, unveränderliche Backups.
  11. Nachweis und Betrieb: Logging, Audit, CIS-Prüfung, Laufzeit-Erkennung.
  12. Verfügbarkeit bei hohem Schutzbedarf: Hochverfügbarkeit für Control Plane, Knoten und Datenbank.
  13. TYPO3 selbst härten: Backend-Zugang, Rechte, WAF, Header und Updates.
  14. Das Referenz-Chart: alle Bausteine als offenes Helm-Chart, und warum es kein Operator ist.

Die Teile erscheinen nacheinander. Links auf noch nicht erschienene Teile werden aktiv, sobald der jeweilige Beitrag online ist.

Häufige Fragen

Reicht ein gehärtetes Kubernetes für den IT-Grundschutz?+

Nein. Härtung ist die Voraussetzung, der Grundschutz verlangt aber einen Nachweis pro Anforderung. Dazu gehören Schutzbedarfsfeststellung, Modellierung und der Grundschutz-Check. Ohne diese Dokumente bleibt auch ein sehr gut abgesichertes Cluster formal unbewertet.

Muss jede Anforderung bei erhöhtem Schutzbedarf umgesetzt werden?+

Nein. H-Anforderungen sind Vorschläge. Die Auswahl trifft eine Risikoanalyse nach BSI-Standard 200-3. Nicht umgesetzte Anforderungen werden begründet, und das verbleibende Risiko wird bewusst getragen.

Auf welche Edition des Kompendiums bezieht sich die Serie?+

Auf die Edition 2023 des IT-Grundschutz-Kompendiums. Prüfe vor einem Grundschutz-Check, welche Edition dein Verfahren zugrunde legt. Nummern und Titel der Anforderungen können sich zwischen Editionen ändern.

Braucht TYPO3 selbst eigene Maßnahmen neben der Plattform?+

Ja. TYPO3 wird als Webanwendung nach APP.3.1 modelliert. Dazu zählen ein eingeschränkter Backend-Zugang, Mehr-Faktor-Anmeldung, gepflegte Extensions und zeitnahe Sicherheitsupdates. Die Plattform kann diese Anwendungsthemen nicht ersetzen.

Fazit

Der IT-Grundschutz für TYPO3 auf Kubernetes beginnt mit dem Schutzbedarf. Er bestimmt, ob die Standard-Absicherung reicht oder ob H-Anforderungen dazukommen. SYS.1.6 und APP.4.4 bilden den Kern, APP.3.1 hält TYPO3 selbst im Blick. Der Grundschutz-Check macht die Umsetzung nachweisbar.

Weiter mit Teil 2: Das gehärtete TYPO3-Image.

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Plattform-Betrieb statt Beratung auf Papier: Auf Wunsch setze ich die Maßnahmen auch um und halte den Nachweis aktuell.

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Über den Autor

Foto von Kai Ole Hartwig.

Kai Ole Hartwig

Freiberuflicher DevSecOps-Berater · OnlyOle Consulting

Programmiert seit 2002 – autodidaktisch gelernt, 2012 mit KO-Web selbständig gemacht. Über 100 Projekte, Fokus auf Security, Performance, Automatisierung und Qualität. Heute freiberuflich: DevSecOps-Beratung, Schulungen und Softwareentwicklung.