Kastenweißbrot, Galetta und trotzdem Sixpack: Eine kleine Sportbiografie

Früher habe ich nach dem Training ein ganzes Kastenweißbrot gegessen – und hatte trotzdem ein Sixpack. Ein ehrlicher Rückblick auf Sport, Ernährung und Alter.

Früher habe ich regelmäßig nach dem Training ein ganzes Kastenweißbrot und eine Packung Galetta-Pudding gegessen. Am gleichen Abend. Trotzdem hatte ich ein Sixpack. Daran musste ich neulich denken, als ich in der Küche stand, auf eine Scheibe Vollkornbrot mit Avocado schaute, und mich fragte, wie es wohl kommt, dass der Bauch heute trotzdem anders aussieht.

Der Kontext, bevor es albern wird

Ich war in meinen späten Teenagerjahren und frühen Zwanzigern extrem aktiv. Nicht Fitnessstudio-aktiv, sondern richtig aktiv. Mehrmals pro Woche Training, dazu lange Wege zu Fuß und mit dem Rad, ein körperlich fordernder Alltag, und ein Stoffwechsel, der einem Luxusauto geglichen hat. Alles, was reinkam, wurde verbrannt, und zwar noch bevor der Teller leer war.

Der Kastenweißbrot-Moment ist kein Einzelfall. Das war Routine. Nach dem Training, abends, mit einem großen Glas Milch. Kein Proteinshake, keine Makros gezählt, keine App. Ich habe einfach gegessen, bis ich satt war, und ich war lange nicht satt.

Was Sport in dieser Zeit für mich war

Sport war für mich damals kein Projekt. Es war Alltag. Es war der Teil des Tages, in dem ich den Kopf leer bekam, soziale Nähe hatte, und an Grenzen ging, ohne mich dabei zu beobachten. Ich habe nie einen Trainingsplan gelesen, nie Reps getrackt. Ich habe trainiert, weil mein Körper es wollte und weil es sich gut anfühlte. Der Körper hat das zurückgegeben, was man ihm gegeben hat, in fast unmittelbarem Tempo.

Ich glaube, das ist der Punkt, den man mit dreißig oder vierzig rückblickend unterschätzt. Es war nicht die Disziplin, die einen damals durchtrainiert aussehen ließ. Es war einfach das Leben. Wer regelmäßig und gerne körperlich arbeitet, isst, schläft und wieder körperlich arbeitet, sieht irgendwann so aus. Das ist keine Leistung, das ist Biologie im Rückenwind.

Warum heute ein anderes Spiel läuft

Heute bin ich 23 Jahre Softwareentwickler, Unternehmer, Vater. Mein Alltag ist sitzend, geistig fordernd, emotional dicht. Mein Schlaf ist manchmal gut, manchmal schlecht. Stress ist ein täglicher Begleiter, nicht ein seltener Gast. Der Stoffwechsel, der mir damals alles verziehen hat, arbeitet heute präziser, aber eben auch langsamer. Das ist keine schlechte Nachricht, das ist einfach die Physik des Alters.

Wenn ich heute essen würde wie mit Anfang zwanzig, würde mein Körper nach wenigen Wochen reagieren. Nicht dramatisch, aber deutlich. Umgekehrt: Wenn ich heute eine klare, ruhige Routine einhalte, kann ich immer noch sehr viel erreichen. Nur eben nicht nebenbei, wie früher. Ich muss es wollen. Und ich muss es planen.

Was ich aus dieser Erinnerung mitnehme

Ich denke manchmal, dass diese Kastenweißbrot-Anekdote mehr über das Leben sagt als über Ernährung. Wir halten bestimmte Zustände für normal, weil sie in einer bestimmten Lebensphase möglich waren. Und dann wundern wir uns, dass sie in einer anderen Phase nicht mehr funktionieren. Das geht beim Körper los, und es geht genauso bei Arbeit, Beziehungen, Routinen, Gründen. Was mit 22 ging, geht mit 42 anders. Nicht schlechter, aber anders.

Für mich heißt das zweierlei. Erstens: kein Vergleich mit dem jüngeren Ich. Das ist eine Falle, in die ich früher mehr getappt bin als heute. Zweitens: die Dinge, die mir heute guttun, sind andere als damals. Weniger Volumen, mehr Qualität. Weniger Rekord, mehr Regelmäßigkeit. Weniger ich-kann-das-mal-eben, mehr ich-bleib-einfach-dran.

Eine kleine Liebeserklärung ans frühere Ich

Das ganze Weißbrot gönne ich meinem früheren Ich. Ich schmunzele, wenn ich daran denke. Und ich nehme mit, dass es Phasen im Leben gibt, in denen man verschwenderisch sein darf, weil man es sich leisten kann. Die Frage ist nur, ob man es bemerkt, solange es so ist. Ich habe es damals nicht wirklich bemerkt.

Heute bemerke ich mehr. Eine ruhige Stunde, ein gutes Essen, ein klarer Schlaf. Weniger in Menge, mehr in Dichte. Wenn ich in zehn Jahren auf mein Heute zurückblicke, will ich sagen können, dass ich auch diese Phase bemerkt habe, bevor sie wieder in eine nächste übergeht.

Und wer weiß. Vielleicht probiere ich am Wochenende einmal wieder ein Kastenweißbrot. Nicht, weil ich muss. Sondern, weil es schmeckt.