Mein Antrieb: nachhaltige Lösungen, nicht schnelles Geld
Seit ich mein Unternehmen gegründet habe, war mir Qualität wichtiger als schnelle Abschlüsse. Warum das meine Entscheidungen bis heute prägt.
Wenn mich jemand fragt, was mich morgens aus dem Bett holt, dann ist die Antwort unspektakulär. Es ist nicht das große Geld. Es ist der Spaß an nachhaltigen Lösungen. An Dingen, die halten. An Kunden, die nach fünf Jahren immer noch dieselbe Infrastruktur nutzen, die wir ihnen damals gebaut haben, nur besser, weil wir sie kontinuierlich gepflegt haben. Das ist mein Antrieb, und das ist er seit dem Tag, an dem ich gegründet habe.
Was „nachhaltig“ für mich bedeutet
Nachhaltig klingt für viele inzwischen nach Umwelt-Label oder ESG-Rating. Ich meine damit etwas Einfacheres und Älteres. Nachhaltig heißt für mich: Eine Lösung funktioniert nicht nur am Tag der Übergabe. Sie funktioniert auch in zwei, fünf, zehn Jahren. Sie hält Updates aus, sie hält Personalwechsel aus, sie hält veränderte Anforderungen aus. Sie ist nicht heldenhaft, sie ist vernünftig.
Das klingt langweilig, und ich kann damit leben. Ich habe in 23 Jahren Softwareentwicklung gelernt, dass Langeweile bei Technologie fast immer ein Kompliment ist. Eine langweilige Infrastruktur ist eine, die funktioniert, ohne dass man nachts Telefonate führt. Ein langweiliges Deployment ist eins, bei dem nichts schiefgeht. Ein langweiliger Support ist einer, in dem die Tickets kurz sind, weil die Probleme klein sind. Wer das einmal erlebt hat, will nie wieder zurück zu den „aufregenden“ Alternativen.
Warum schnelles Geld eine Falle ist
Ich habe bei Kunden und Wettbewerbern immer wieder gesehen, wohin der Reflex „schnell abschließen, egal wie“ führt. Projekte, die im ersten Monat glänzen und im achten Monat in Flammen stehen. Produkte, die in der Demo überzeugen und im Alltag scheitern. Umsatzkurven, die steil nach oben gehen und dann kippen, weil die Basis nicht mittragen kann.
Schnelles Geld ist nicht zwingend unethisch. Es ist nur selten strategisch. Wer immer nur das nächste Projekt unterschreibt, ohne auf die Struktur darunter zu schauen, baut ein Unternehmen, das vom nächsten Projekt abhängig ist. Das ist kein Unternehmen, das ist ein Hamsterrad, das sich schneller dreht als der Hamster laufen kann.
Ich wollte das nie. Ich habe früh beschlossen, dass ich lieber langsamer wachse, wenn die Qualität stimmt, als schnell zu skalieren und mich danach Monate damit zu beschäftigen, Kunden zu verteidigen, die mich völlig zu Recht anrufen.
Was das im Alltag heißt
Ganz praktisch heißt das: Ich sage auch nein. Zu Projekten, die offensichtlich unter Zeitdruck entstehen, ohne dass jemand Druck tatsächlich abfangen will. Zu Kunden, deren Anforderungen sich so anhören, als würde eigentlich ein anderes Unternehmen oder ein anderes Produkt passen. Zu Angeboten, die gut bezahlen, aber einen Service verlangen, der zur echten Entlastung des Kunden nicht führen wird.
Das ist nicht bequem. Ein Nein kostet kurz, während ein Ja lange kostet, wenn es das falsche Ja war. Mit den Jahren ist mir das bewusster geworden. Ein falscher Kunde zieht mehr Energie aus dem Team, als zehn richtige Kunden je reinstecken können.
In der Agentur-Arbeit sieht man das besonders klar. Wir betreiben Systeme für den deutschen Mittelstand. Wir wechseln Kunden selten. Einige begleiten wir seit Anfang meiner Selbstständigkeit. Das geht nur, weil wir von Anfang an Qualität vor Geschwindigkeit gestellt haben. Und weil wir Kunden selbst ausgesucht haben, bei denen diese Art zu arbeiten gewünscht ist.
Der Effekt auf die eigene Gesundheit
Ein Nebenaspekt, den ich lange unterschätzt habe: Nachhaltigkeit ist auch eine Frage der eigenen Gesundheit. Wer ständig im Rettungsmodus ist, weil Projekte brennen, die schon beim Verkauf unsauber waren, brennt selbst schneller aus. Das ist keine Metapher. Das ist eine Realität, die ich in vielen Kollegen gesehen habe. Und die ich bei mir selbst nie erleben wollte.
Die Entscheidung, Dinge ordentlich zu machen, ist also nicht nur eine geschäftliche. Sie ist auch eine sehr persönliche. Ich habe eine Familie. Ich habe gesundheitliche Prioritäten in meinem Umfeld, die mir täglich vor Augen führen, wie wertvoll Zeit ist. Wer unter diesen Bedingungen ein Unternehmen führt, muss jedes Quartal entscheiden, ob er Projekte wählt, die sein Leben tragen, oder Projekte, die sein Leben auffressen.
Fazit
Mein Antrieb ist der Spaß an Dingen, die halten. Kunden, die wiederkommen, weil sie es gut finden, nicht weil sie müssen. Systeme, die nachts keinen Anruf produzieren. Teams, die gesund bleiben. Nachhaltige Lösungen klingen nicht so aufregend wie „10x Wachstum im ersten Jahr“, aber sie tragen länger. Und sie machen den Unternehmer am Ende zu einem erwachsenen Menschen, nicht zu einer gestressten Überschrift.
Das wird auch 2026 mein Maßstab sein. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, welcher andere besser passen sollte.