Zwei Podcasts pro Woche: Wie ich plötzlich vor zwei Mikros sitze

Seit ein paar Wochen nehme ich jede Woche zwei Podcasts auf. Über Unternehmertum und Security. Warum das Sinn ergibt und mich selbst überrascht.

Seit ein paar Wochen nehme ich jede Woche zwei Podcasts auf. Das Verrückte: Sie könnten genau für dich sein. Vor ein paar Monaten hätte ich nicht gedacht, dass ich mal regelmäßig vor einem Mikro sitze. Ich war jemand, der schreibt. Blog-Artikel, LinkedIn-Posts, gelegentlich ein längerer technischer Text, wenn ein Thema es verlangt hat. Sprechen war mir immer zu flüchtig, zu wenig überarbeitbar.

Dann kam der Zufall. Ein Gespräch mit einem befreundeten Gründer, das wir irgendwann aus Spaß aufgezeichnet haben. Ein paar Leute haben reingehört, sind zurückgekommen und haben gesagt: Das fehlt gerade. Aus dem „aus Spaß“ ist schnell ein fester Termin geworden. Inzwischen sind es zwei Formate, jede Woche eine Folge pro Format. Und plötzlich merke ich, dass der Audio-Kanal in meinem Arbeitsalltag einen Platz eingenommen hat, den ich nicht mehr missen will.

No Bullshit Founders: das Gespräch, das ich selbst vermisst habe

Das erste Format ist No Bullshit Founders. Dort spreche ich mit meinem Mitgründer über Gründer-Alltag, wie er wirklich aussieht. Keine Serien-Exit-Romantik, kein Hero-Storytelling, keine Checklisten für die erste Million. Sondern: Welche Entscheidung war diese Woche unbequem? Welche Kundenmail hat für eine schlaflose Nacht gesorgt? Was haben wir aus einem Fehler gelernt, der auf Slides nie landen würde?

Das Format ist eine Reaktion auf das, was ich selbst lesen oder hören wollte und nicht gefunden habe. Viele deutsche Gründer-Podcasts sind inhaltlich gut, aber in der Tonalität weit entfernt von meinem Alltag. Ich wollte ein Format, in dem es okay ist, zu sagen „Ich weiß gerade nicht weiter“ oder „Das hat dieses Quartal richtig wehgetan“. Ohne dass es zum emotionalen Content wird. Sondern als normale, professionelle Tatsache.

Für wen das ist: Alle, die selbst etwas aufbauen, allein oder im Team, und die es satt haben, sich durch glattgeschliffene Storys zu hören. Wer gerne liest, was zwischen den Pitches passiert, ist dort richtig.

Secrets Not Included: Security abseits der FUD-Sprache

Das zweite Format ist stärker technisch. Es heißt Secrets Not Included und dreht sich um Security, DevSecOps und die leisen Themen, die im täglichen Betrieb den Unterschied machen. Kein Angst-Marketing, keine „Ihr Unternehmen ist in zwei Jahren bankrott“-Rhetorik. Stattdessen ruhige, konkrete Gespräche darüber, wie man produktive Systeme wirklich sicher betreibt.

Wir reden dort über Dinge wie Secret-Rotation in realen Pipelines, über den Unterschied zwischen Papier-Compliance und gelebter Sicherheit, über die Frage, warum ein Team mit 40 Security-Tools oft unsicherer ist als ein Team mit fünf, die wirklich gepflegt werden. Die Zielgruppe sind Menschen, die in Engineering, Operations oder Security-Rollen arbeiten und keine Lust mehr auf Hype-Sprache haben.

Was mich an zwei Podcasts pro Woche verändert hat

Zwei Folgen pro Woche aufzunehmen klingt nach viel. Es ist auch viel, vor allem in Wochen, in denen parallel Kundenprojekte brennen und das private Leben sich nicht darum schert, ob ich gerade aufnehme. Aber der Effekt auf mich persönlich ist bemerkenswert.

Erstens zwingt mich das Format, meine Gedanken wöchentlich zu sortieren. Ich kann mich nicht hinsetzen und improvisieren, ohne vorher nachzudenken, was ich eigentlich sagen will. Diese Vorbereitung hat meine Klarheit in Kundenterminen hörbar verändert. Ich argumentiere kürzer, präziser, weniger defensiv.

Zweitens merke ich, wie viel Wissen ich früher einfach weitergegeben habe, ohne es zu dokumentieren. Der Podcast ist ein Archiv meiner Überlegungen, auf das ich selbst zurückgreifen kann. Wenn ein Kunde mich fragt, warum ich in einer bestimmten Situation immer dieselbe Architektur empfehle, habe ich inzwischen oft eine Folge dazu, die meine Antwort ausführlich gibt.

Drittens lerne ich mehr als ich dachte. Gerade in No Bullshit Founders kommen Fragen, die ich mir selbst nie gestellt hätte. Gerade in Secrets Not Included zwingen mich Gäste und Themen, meine Positionen regelmäßig zu überprüfen. Das ist anstrengend und gut.

Zwei Podcasts pro Woche sind für mich inzwischen weniger „Zusatzaufgabe“ und mehr „Denken, das auch andere mithören“. Wer bisher gedacht hat, der deutsche Podcast-Markt sei voll, und für wen nichts dabei ist, was zwischen Small Talk und LinkedIn-Inspiration passt: vielleicht ist eins dieser beiden Formate der blinde Fleck. Probiert einfach eine Folge. Mehr Einladung habe ich nicht.